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Unser erster großer Auftritt ist gelungen! Am 20.05.2009 haben zwei Mitglieder des Arbeitskreises Aufklärung in einem Gymnasium im Großraum Stuttgart zum ersten Mal das neue Aufklärungsprojekt am lebenden Objekt ausprobieren können: Das Gymnasium plante einen Projekttag unter dem Motto "Anders sein... und doch dabei". In diesem Rahmen gab es einen Workshop mit dem Titel "Lesbisch? Schwul? Na und!". Ziel des Workshops war, bei den Schülern sämtliche Vorurteile gegenüber Schwulen und Lesben abzubauen. Der organisierende Lehrer ist selber schwul und in der Schule teilweise geoutet. Der Workshop wurde an dem Vormittag insgesamt 3 mal angeboten (jeweils eine Stunde). Alle Schüler ab 14 Jahren konnten sich für den Workshop anmelden. Es hat keine Trennung zwischen Schulklassen oder Geschlechtern gegeben. Es wurden insgesamt 4 externe Personen eingeladen, um den Workshop zu animieren: Neben uns noch ein Vertreter eines schwul-lesbischen Vereins aus Heilbronn, und eine ehemalige lesbische Schülerin. Eine kleine Gruppe von Schülern hatte mit dem Projektleitenden Lehrer die Thematik vorbereitet und sich einen groben Verlauf für den Workshop überlegt. Die Schüler schrieben auf farbige Zettel (rosa für schwul, blau für lesbisch) eigene oder sonst übliche Vorurteile gegenüber Schwulen und Lesben auf. Die Zettel werden gesammelt und auf eine Pinnwand mit Bildern Prominenter aufgehängt. Die Zettel wurden dann vorgelesen und kommentiert. Die Schüler mussten dazu sagen, wer von den Prominenten schwul, lesbisch oder heterosexuell ist, und was der entscheidende Hinweis gewesen ist. Die Schüler saßen dabei in einer Runde zusammen mit dem Lehrer und uns Externen. Ziel war, die Hemmungen der Schülern so niedrig zu halten wie möglich: an dem Tag sei „kein Unterricht sondern Projekttag“, der Lehrer wurde geduzt, usw.Das Ziel, eine ungehemmte Diskussion zu führen, wurde durch eine gute Moderation durch den Lehrer und uns erreicht. Obwohl die Schüler sehr frei reden konnten, stellten sie dabei sehr wenige spontane Fragen. Es gab allerdings auch überhaupt keine Aggressivität. Die folgenden Themen wurden am meisten von den Schülern diskutiert und aufgenommen: Reaktion gegenüber schwulen oder lesbischen Paaren in der Schule (küssende schwule Männer oder küssende lesbische Frauen) Grenze zwischen männlicher Freundschaft und schwuler Beziehung bzw. weiblicher Freundschaft und lesbischer Beziehung Erfahrungen von eigenen schwulen oder lesbischen Freunden bzw. Familienmitgliedern Geschlechterrollen, Parallelen zwischen Frauenemanzipation und homosexueller Emanzipation Geschichte der Verfolgung von Homosexuellen Rechtliche Anerkennung von schwulen und lesbischen Paaren und deren (adoptierten) Kindern Allgemein waren die Mädchen eher bereit, an der Diskussion teilzunehmen und waren besser informiert. Dies zeigte sich auch dadurch, dass sich überwiegend Mädchen für den Workshop angemeldet hatten. Die Jungen mussten direkt angesprochen werden und nahmen nur selten spontan an der Diskussion teil, vor allem wenn in der Gruppe die Mädchen in deutlicher Mehrheit vertreten waren. Trotzdem war die Arbeit in einer gemischten Gruppe sehr interessant, weil viele Parallelen zwischen Frauenemanzipation und homosexueller Emanzipation gemacht wurden. Eine erschreckende Erkenntnis war für uns, dass manche Schüler nicht einmal wussten, dass es überhaupt jemals deutsche Gesetze gegen Schwule gegeben hat. Gerade die Themen Verfolgung und dann Anerkennung von Schwulen im deutschen Recht müssen also eines der Hauptaugenmerke unserer Arbeit sein - denn wenn erst einmal detaillierter bekannt ist, was Homosexuelle auch von staatlicher Seite zu erleiden hatten, wird ganz sicher in Zukunft zwei Mal überlegt werden, bevor "Schwule Sau!" über den Schulhof gerufen wird... |